Freitag, 30. November 2018
Blockade
Mir fällt das Schreiben gerade schwer. Ich kann nur über Probleme schreiben, die ich habe, und es sind ja immer die gleichen. Für eine bessere Zukunft und einfach, weil es das Leben schöner macht, ist es aber doch notwendig, dass ich mir etwas Schönes vorstellen kann!

Deswegen habe ich ja diesen Blog begonnen. Nicht nur, weil es mir Spaß macht, mir etwas auszudenken, sondern weil ich endlich auch versuchen will, was ich mit meiner Vorstellungskraft bewirken kann. Heute habe ich in einem Meditationskurs gelernt, dass Aufmerksamkeit so ist, als würde man auf etwas zielen, und dass man sich leicht mit dieser Aufmerksamkeit identifziert. Ich ziele oft auf das, was ich nicht will und nenne dieses Gefühl der Abscheu und des Überdrusses dann "ich" oder "meine Identität". Das ist doch krank, oder? Vielleicht ist es auch normal. Ich bin ja auch nur ein Mensch, wenn ich mich auch an zu hohen Maßstäben messe. Auch diese Verurteilerei hat keine positiven Auswirkungen auf meine Kreativität und Vorstellungskraft.
Wenn ich den ganzen Tag nur daran denke, was ich alles nicht will, und vor allem völlig überarbeitet bin, weil ich mir nie eine Pause gönne und mich schon gar nicht mehr entspannen kann, dann leidet auch meine Vorstellungskraft. Ich kann dann nur mehr in den engen Parametern meiner derzeitigen Lebensumstände denken. Dabei will ich raus aus diesen Umständen und aus diesem geistigen Gefängnis.

Da ist auch noch die Vorstellung, dass mein Weltekel mich irgendwie schützt vor den gemeinen Menschen und widerlichen Umständen um mich herum. Ist das so? Er schützt mich vor allem davor, andere Gefühle als Ekel zu empfinden, und mich für meine weicheren Gefühle zu öffnen. Ich bin so leicht auch hundertachzig und finde die ganze Welt zum Kotzen, wenn ich mich eigentlich meinen eigenen Wünschen und Gefühlen zuwenden sollte. Ich mach jetzt mal eine kleine Pause. Ich setze mich ruhig hin und tue nichts und lasse mich meine Gefühle fühlen. Ob ich das aushalte? Was da wohl passiert?

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Dienstag, 27. November 2018
Bild meiner Zukunft, bald Gegenwart
Ich denke nur mehr in Bildern, nicht mehr in Worten, denn ich muss jetzt nicht mehr reden. Das Reden war mir schon lange zuwider. Doch nun bin ich in einer neuen Welt, in der die Stille herrscht. Ein Haus an einem See, dahinter die Hügel und Berge, alles mit einer dünnen Schicht aus Schnee bedeckt. Mein Blick fällt ins Haus: Ein gemütliches, hell eingerichtetes Inneres mit naturweißen Wolldecken auf einem viereckigen Lehnsessel. Es ist gut.
Die Stille herrscht. Ich blicke aus meinem Herzen in diese Wirklichkeit und stelle fest, ich liege in einem Bett mit meinen Liebsten. Reden müssen wir nicht.
Ich trete nach draußen. Stille und Weite und keine Ansprüche an mich. Die Stille ist schon da, bevor ich komme, aber sie beeindruckt und tröstet mich umso tiefer, weil ich niemanden mehr unterhalten muss, nicht mehr erklären und präsentieren, nicht mehr im Mittelpunkt stehen und meinen Überdruss verbergen. Weder mein Charme noch meine Redekünste sind gefragt. Sie haben sich schon lange wie eine Wucherung aus meinem Inneren angefühlt.
Stille, Weite, die Sonne scheint und der Himmel ist klar. Das ist die Art von Sonnentag, den ich am meisten genieße. Stapfend über den verschneiten Feldweg, die im Geheimen grünen Hügel und Wälder, hinein in einen Spaziergang unbekannter Länge, denn ich muss nicht zurück sein zur Unzeit. Ich muss überhaupt nichts. Der hellblaue, fast weiße Himmel, jetzt leicht diesig. Wie nennt man den Schnee, der unter den Sohlen knirscht? Wie nennt man den Schnee, der ganz weich und sanft nachgibt , wenn man darauf steigt? Ich liebe sie beide.

Es fliegt ein Rabe vorbei. Die Raben sind hier zahlreich und auch sie erwarten nichts von mir. Zuhause habe ich einen Mann - nein, da ist er! Er tritt von hinten an mich heran und fasst meine Hand. Wir verständigen uns direkt in Bildern, nicht in Wortschwällen. Wir reden, weil wir einander etwas zu sagen habe, nicht um die Stille zu vertreiben. Die Still ist schön und unsere Körper können auch stumm, in einer Umarmung ruhend, einander erkennen und wissen, was der andere fühlt. Es tut mir gut, ihn um mich zu haben. Jemanden, der mir so fremd ist und so interessant. Jemand, der so kompakt und tief und geheimnisvoll ist, dessen innere Strukturen und Gedanken ganz eng verschränkt sind und der deshalb stabil steht und doch ein tiefer Brunnen ist, versorgt von einem unterirdischen Ozean; verborgen vor meinen Augen, aber ich fühle ihn doch.

Komm, komm ins Bett! Genießen wir die Farben und die Wärme im Haus und das Gefühl unserer Füße auf dem schneebedeckten Boden auf dem Weg dorthin. Wir dürfen reden und wenn wir etwas sagen, dann sind es Worte, die Liebe ausdrücken und Macht haben. Worte sind wie Taten, deswegen wollen sie bedacht ausgesprochen werden. Worte sind wie Perlen, wenn sie aus dem Inneren kommen. Ich schenke sie nur denen, die sie empfangen können. Worte sind eine Last, wenn sie zur Ablenkung gesprochen werden. Er, ich und die Worte haben besseres verdient.

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Montag, 26. November 2018
Der Entschluss
Als ich meine Angst und Verzweiflung, die mich umhüllte wie eine Rüstung und die mich auffüllte und wie Teer aus meinem Herzen hervorquoll, zum ersten Mal ablegen und bewusst wahrnehmen konnte, erschien sie mir als Teil von mir und ich beschloss, sie zu behalten. Ich machte sie zu meiner Verbündeten und stieg wieder ein in meine harte Rüstung, doch diesmal war es anders zwischen uns beiden. Mit ihr, bewusst eingesetzt, würde ich etwas Gutes bewirken. Ein Schrecken für jene, die anderen selbst ein Schrecken sind, eine dunkle Gestalt für die Glockenhellen, während die Verlassenen, die ihre Hoffnung noch nicht fahrengelassen haben, mich wieder erkennen als eine, die überwunden und sich Untertan gemacht hat, was sie selbst noch knechtet. Mein Leben sollte keine süßliche Geschichte werden, in der all das Schwere und Schwarze in mir von einem Bad aus Glückseligkeit zersetzt wird bis auf ein paar Spuren von Traurigkeit, der Würze wegen. Diese Last zu tragen und das zermürbende, doch zähe Ankämpfen gegen jene, die mich stürmten und aus dem Hinterhalt angriffen, hatte in mir eine bullige Kraft aufgebaut, die nicht verkümmern und ungenutzt vergehen würde. Diese Kraft verlangte danach, gebraucht zu werden. Ich hatte kämpfen müssen und nun wollte ich kämpfen. Wer würde ich sein, was wäre möglich, wenn ich die dunkle Last zu meinem Werkzeug machte und diese schwarze Rüstung bewusst trug?

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