Donnerstag, 22. November 2018
Mein wahrer Wunsch
Ich wünschte, jemand würde sich um mich kümmern. Wie die Frau um den traumatisierten Mann [wie in dieser Serie, die ich gerade schaue]. Wie die Familie um die Tochter, die an Magersucht leidet und die die Familie dazu bringt, sich selbst anzuschauen und ihre eigenen Mechanismen und wo sie versagt haben [in einem Buch aus meiner Jugend]. Wo sie nicht für sie da waren.

Ich werde das mit meinen Eltern aber nicht erleben. Das suche ich schon all die Jahre über, dass sie endlich zu richtigen Menschen werden und mir sagen, dass es ihnen leid tut. Aber ich bin mit hohlen Eltern geschlagen. Sie werden sicher nicht in sich gehen, nie. Und ich brauche ja eigentlich nur eine eigene Familie. Ich brauche ja nur, dass ich verstanden werde. Man muss nicht so ein kompliziertes Manöver draus machen, in dem meine Eltern sich plötzlich um mich kümmern und offen mit mir reden, in dem ich nicht an der kurzen Leine gehalten werde, in dem ich nicht emotional verhungere. Es ist zu spät, ich bin ja schon lange kein Kind mehr. Ich brauche auch keine eigenen Kinder zu kriegen. Ich brauche bloß einen Partner und den Mut, darüber zu reden, wie es mir wirklich geht. Ich brauche eine Therapeutin, die mir wirklich helfen kann. Meine hat nicht das Kaliber. Sie hat nicht den Tiefgang. Ich kann sie nicht belasten und ich habe schon so lang meine schweren Seiten verborgen, dass ich jetzt auch nicht mehr damit rausrücken kann. Es ist im Grunde so, dass ich mich meiner schweren Seiten schäme. Ich hätte so gerne jemanden, der sich meiner annimmt, aber niemand hat die Fähigkeit, sich um Schwere und Tiefe, tiefe Traurigkeit zu kümmern. Ich bin ganz verzweifelt in solchen Momenten, wo meine richtigen Gefühle hochkommen. Ich hätte gerne Sitzungen mit jemandem der sich wirklich auskennt. Vielleicht kann ich mir auch selbe helfen.

„Was real ist, bestimme ich.“ Dieses Titel habe ich vor ein paar Tagen für diesen Blog gewählt, weil ich schreiben wollte, wie mein Leben so geht und mir Dinge dazu ausdenken wollte, die mir gefallen, so als könnte ich mein Leben selbst ergänzen um das, was ich mir wirklich wünsche.
Meine Vision des Lebens, das ich mir wünsche, wäre ein Mann, der sich selbst versteht und mit de ich ich selbst sein kann, denn ich bin nicht die fürsorgliche Frau. Ich bin die, die Fürsorge braucht, auch wenn es meine Vorstellung übersteigt, dass sich jemand tatsächlich um mich kümmert, wenn es mir schlecht geht. Ich muss immer stark sein.

Ich komme heim und da ist mein Mann. Ich sage ihm, dass ich mich schon lange schlecht fühle und Hilfe brauche. Dass meine Therapeutin mein Gewicht nicht tragen kann und ich eine neue brauche. Er umarmt mich und ich weiß, dass er mich versteht. Ich will keinen Mann, um den ich mich kümmern muss. Ich bin mit so einem Mann aufgewachsen und ich habe ihn nie respektiert. Meinem Mann kann ich sagen, dass es mir schlecht geht und ich kann weinen und er weiß, was zu tun ist, und wie er mir zuhört, und er hört mir wirklich zu. Ich muss mich nicht perfekt machen, um ihn nicht zu belasten. Ich muss ihm nichts vormachen, denn er durchschaut mich sowieso. Und ich muss meine Gefühle nicht in mir aufstauen, denn er hat die Kraft, mich zu halten und den Gefühlen, dem Strom meiner Gefühle standzuhalten.

Das will ich wirklich. Und ich habe dieses Gefühl immer in mir zurückgehalten. Die Wünsche und Träume von meiner Kommunikation mit Tieren (in den vorigen Blogeinträgen und meinen anderen Texten) sind vielleicht nur Ablenkungen von meinem wirklichen Wunsch, endlich einen richtigen Mann zu haben. Klar, ich liebe Tiere und die Natur, aber diese Fürsorge, die ich brauche, die starke Umarmung, kann mir doch nur ein Mann geben.

Und noch etwas zum Thema „Was real ist, bestimme ich“: Mein extremes Feststecken in der Frage, was ich beruflich will, das ja schon seit Jahrzehnten so ist, das ist auch irgendwie ein Entschluss meinerseits. Hier bestimme ebenfalls ich, was real ist. Anscheinend glaube ich es so fest, dass ich mich selbst schon davon überzeugt habe. Das ist doch auch eine Leistung. Ich werde das heute zerlegen. Und in dem, was ich gerade aufgeschrieben habe, ist noch ein Glaube: dass niemand stark genug und/oder gewillt ist, den Strom meiner Gefühle entgegen zu nehmen. Dass ich mich an niemanden anlehnen kann, mit allem selbst zurechtkommen muss, weil die anderen zu schwach sind. Das kommt aus meiner Kindheit. Das ist aber auch nur ein Glaube und nicht die Wahrheit über die gesamte Menschheit. Ich werde dem heute auf den Grund gehen. Danke fürs Lesen, falls das hier irgendjemand liest. Ich hätte es auch in mein Tagebuch schreiben können, aber ich wollte mich jemandem mitteilen. So habe ich ein bisschen das Gefühl, dass andere doch aushalten können, was in mir vorgeht.

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Ich glaube....
....dass es den Mann durchaus gibt, den du da suchst. Das Problem dürfte sein, dass man ihm das nicht ansieht, genau so wenig wie man es dir ansieht, dass du solch einen Mann suchst. *grübel*

Zusammengefasst suchst du also die berühmte Nadel im Heuhaufen, aber da das zu leicht wäre tarnt die sich erstmal als Heuhalm.
Ich denke DAS ist die eigentliche Schwierigkeit daran.

Und natürlich das Problem mit der Kommunikation, also der Unfähigkeit mancher Leute, korrekt zu komunizeiren. Das kommt dann noch dazu.

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Hallo stefkis!
Vielen Dank für deinen Kommentar! Ich bin ganz hin und weg, dass du überhaupt meinen Blogeintrag gelesen hast. Es ging mir ziemlich schlecht, als ich diesen TExt geschrieben habe, aber gerade daraus ist etwas sehr Ehrliches entstanden und darüber bin ich froh.

Du hast recht, man sieht es mir nicht an, dass ich so einen Mann suche. Ich habe ein extrem selbstsicheres und starkes Auftreten, sodass sich zu mir eher Männer hingezogen fühlen, die selber eher schwach sind und sich anlehnen wollen. Das ist für mich natürlich extrem frustrierend, aber doch auch von mir selbst verursacht. Wenn es mir gelingt, zuzugeben, dass ich nicht Superwoman bin, dann fühle ich mich verletzlicher, aber der richtige Mann kann mich auch leichter erkennen als die Richtige für ihn. Meine Fantasien davon, dass einer mein Gehabe durchschaut und sofort erkennt, wie ich wirklich bin, sind wohl ziemlich unrealistisch. Ich muss es wagen und ich authentisch sein, auch wenn es weh tut. Dann finde ich sicher leichter die richtigen Menschen für mich.

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Ja schon, aber...
zunächst mal sorry, aber ich habe nicht gleich gesehen, dass du geantwortet hast ;)
Klar lese ich deine Blogeinträge, bin über die "zuletzt aktualisiert"-Liste von Blogger hier her gekommen und fand es hier direkt nett und symphatisch ;)

Aber zum Thema:
Der Gedanke von dir ist ja nett, dass jemand daherkommt und dein "Gehabe" direkt durchschaut. Dann müsste sich derjenige zumindest kurz mit dir beschäftigen um zu sehen, dass du vielleicht doch sein "Beuteschema" bist und eben nicht die starke und selbstsichere Person, die du nach außen hin zu sein vorgibst.
Ich persönlich habe diesbezüglich häufig die Erfahrung gemacht, dass sich Leute im allgemeinen nicht mehr mit einem beschäftigen. Alles, was nicht sofort glasklar einzuordnen-, unkompliziert- und symphatisch ist, wird liegen gelassen und die Leute gehen direkt zum nächsten über.

Ok, das würde dann bedeuten, dass du deine "Maskerade" fallen lassen müsstest, was dich aber extrem verletzlich machen würde.....ich denke, genau deswegen trägst du ja diese "Maske" des selbstsicheren, starken.

Schwierig....

lg, Stefan

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Hallo Stefan!
Danke für deine Antwort!

Wenn du sagst, dass sich die Leute nicht mit einem beschäftigen, wenn man nicht leicht einzuordnen ist, magst du Recht haben. Es gibt aber doch Ausnahmen - das weiß ich, weil ich selber welche kennengelernt habe, aber leider nicht oft.

Ich muss meine Maske ja nicht sofort und hundertprozentig fallen lassen, aber ich habe das Gefühl, dass das Leben viel schöner und intensiver ist, wenn ich ich selber bin, ohne Verstellung. Manchmal gelingt mir das und das finde ich dann wunderschön. Ich kann ja ungefähr einschätzen, bei welchen Leuten ich mich damit in Gefahr begebe, und bei dem Rest muss ich wohl ein Risiko eingehen, in kleinen Schritten, mit einer winzigen Selbstoffenbarung nach der anderen. Es bleibt mir nichts anderes übrig, sonst werde ich eines Tages eine verbitterte alte Katzenlady! ;)

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Kann sein...
Wenn du das hinbekommst, also deine Maske nur situativ fallen zu lassen, dann hast du natürlich beste Voraussetzungen dafür, jemanden kennenzulernen, der genau dem entspricht, was du suchst :)
Denn eine "verbitterte alte katzenlady"....das wäre ja wirklich ZU schade, das behaupte ich jetzt mal ungesehen ;) ;)

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...
Danke, Stefan! Ja, ich fände es auch schade, oder alptraumhaft, ehrlich gesagt. Irgendwie glaube ich, dass es was Besseres für mich gibt! :)

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