Freitag, 30. November 2018
Blockade
Mir fällt das Schreiben gerade schwer. Ich kann nur über Probleme schreiben, die ich habe, und es sind ja immer die gleichen. Für eine bessere Zukunft und einfach, weil es das Leben schöner macht, ist es aber doch notwendig, dass ich mir etwas Schönes vorstellen kann!

Deswegen habe ich ja diesen Blog begonnen. Nicht nur, weil es mir Spaß macht, mir etwas auszudenken, sondern weil ich endlich auch versuchen will, was ich mit meiner Vorstellungskraft bewirken kann. Heute habe ich in einem Meditationskurs gelernt, dass Aufmerksamkeit so ist, als würde man auf etwas zielen, und dass man sich leicht mit dieser Aufmerksamkeit identifziert. Ich ziele oft auf das, was ich nicht will und nenne dieses Gefühl der Abscheu und des Überdrusses dann "ich" oder "meine Identität". Das ist doch krank, oder? Vielleicht ist es auch normal. Ich bin ja auch nur ein Mensch, wenn ich mich auch an zu hohen Maßstäben messe. Auch diese Verurteilerei hat keine positiven Auswirkungen auf meine Kreativität und Vorstellungskraft.
Wenn ich den ganzen Tag nur daran denke, was ich alles nicht will, und vor allem völlig überarbeitet bin, weil ich mir nie eine Pause gönne und mich schon gar nicht mehr entspannen kann, dann leidet auch meine Vorstellungskraft. Ich kann dann nur mehr in den engen Parametern meiner derzeitigen Lebensumstände denken. Dabei will ich raus aus diesen Umständen und aus diesem geistigen Gefängnis.

Da ist auch noch die Vorstellung, dass mein Weltekel mich irgendwie schützt vor den gemeinen Menschen und widerlichen Umständen um mich herum. Ist das so? Er schützt mich vor allem davor, andere Gefühle als Ekel zu empfinden, und mich für meine weicheren Gefühle zu öffnen. Ich bin so leicht auch hundertachzig und finde die ganze Welt zum Kotzen, wenn ich mich eigentlich meinen eigenen Wünschen und Gefühlen zuwenden sollte. Ich mach jetzt mal eine kleine Pause. Ich setze mich ruhig hin und tue nichts und lasse mich meine Gefühle fühlen. Ob ich das aushalte? Was da wohl passiert?

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Der Weltekel ist doch wahrscheinlich eher als Ekel gegen Menschen im Allgemeinen zu verstehen, oder?
Ich kann da nur von mir sprechen, denn ich persönlich mag die Welt, aber die Menschen an sich machen sie zu einem echt schlechten Ding....

Und sich mit sich selbst zu beschäftigen, sich selbt und nur mit sich selbst....das kann schon ziemlich hart sein ....

lg, Stefan

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Hallo Stefan!
Ich glaube, da hast du Recht! Der Begriff "Weltekel" ist mir bei Kurt Vonnegut begegnet, der seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg beschreibt. Aber den Krieg haben auch Menschen gemacht, und nicht "die Welt" an sich. Zum Glück gibt es immer noch die Natur, die Tiere, die Sterne, und doch auch ein paar Menschen, mit denen man sich versteht, potentiell zumindest.

Ja, ich finde es auch anstrengend, mich dauernd mit mir selbst zu beschäftigen. Das macht mich ganz verrückt, aber zum Glück habe ich, trotz allgemeiner Beziehungsflaute, doch die Möglichkeit, mich da rauszuholen. Auch das Meditieren ist ein geniales Gegenmittel gegen die selbsterschaffene Hölle. Früher war das viel schlimmer, auch wenn das in diesem Blog nicht so scheinen mag.

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